Vorgestellt: Ulf Christiansen - Mit Bedacht

uchristiansen1.jpgUlf Christiansen hat die Ruhe weg. Bevor er ans Telefon geht, erklärt der ehemalige Kapitän erst mal die Internetseite des Schiffsmeldedienstes zu Ende. Dann erst nestelt er in aller Ruhe das schon etwas angestaubte Handy aus der Schutztasche und ruft zurück. Zwei von den 60 heute im Hamburger Hafen eingelaufenen Schiffen will der Inspektor der Internationalen Transportarbeiter Föderation (ITF) an diesem Tag besuchen.
„In unserer Datenbank stehen die Berichte von allen weltweit tätigen 130 ITF-Inspektoren über jeden Schiffsbesuch“, sagt Christiansen, der sein halbes Berufsleben selbst zur See fuhr. Bevor er die braune Ledertasche schultert und Richtung Hafen aufbricht, hat er so schon reichlich Informationen über die Schiffe „Tri Star“ und „Emerald“ zusammengetragen.

Das „Seafarers Bulletin“ hat der 52-Jährige auf Englisch, Russisch und Philippinisch im Kofferraum. Es ist seine Eintrittskarte an Bord. „Die ITF-Adressen in den Häfen, die darin aufgeführt sind, sind für die Seeleute besonders wichtig“, sagt Christiansen. Der Besuch am Afrikaterminal auf der vom norwegischen Kapitän Ole Fladset gesteuerten Tri Star ist kurz, Routine. Er fährt mit russischer Besatzung. Ein kurzes Geplauder mit dem Kollegen von einst, ein Blick in die Küche der Köchin Jelena Martynink. „Vorbildlich“, befindet der ITF-Inspektor. „Alle Papiere sind in Ordnung, die Crew erhält ITF-Tariflohn“.

Auf der Emerald sieht das anders aus. Nach dem Gespräch mit dem philippinischen Kapitän Frederico Rubinos füllt Christiansen sorgsam ein Schreiben aus. Darin fordert er die Reederei Triton auf, mit der ITF in Tarifverhandlungen zu treten.
Seine bedächtige Art ist es, mit der er Rubinos überzeugt, dies Schreiben gleich an die Reederei zu faxen. „Damit sind die Tarifverhandlungen offiziell eröffnet“, sagt Christiansen. Und genau das macht ihn zufrieden: wenn er den Seeleuten, die aufgrund der schnellen Abfertigung heute nur noch kurz in den norddeutschen Häfen Halt machen, helfen kann. Egal ob bei Problemen mit der Heuer, schlechter Versorgung an Bord oder in Auseinandersetzungen mit den Vorgesetzten.

Jörn Breiholz

nsn