Vorgestellt: Gabriela Bonilla - Erstmal Arbeit

gbonilla1.jpgGabriela Bonilla spricht Kalifornisch. Mit rauer Stimme und ohne Akzent. Bevor sie zur Gewerkschaft kam, hat sie studiert und nebenher im Callcenter gejobbt. Sie nahm Sportwetten entgegen, sie kann sehr schön locken. „Die Anrufer wussten nicht, dass ich in Costa Rica sitze und nicht gleich nebenan“. Call Center, das ist für viele in Costa Rica ein Traumjob. Dort kann, wer gut Englisch spricht, viermal so viel wie den Mindestlohn verdienen. Ohne ins Ausland zu müssen. „Viele haben über den guten Job das Studieren vergessen“, erzählt Gabriela, „die kommen davon nicht mehr los“.

Gabriela wollte mehr. Sie wollte einen Betriebsrat. Vier Jahre hat sie darum gekämpft. „Die Firma wollte, dass sie mit am Tisch sitzen“, sagt sie. Doch auch die Belegschaft zog nicht mit. Wenn es Probleme gab, ja. Wenn der Weihnachtsurlaub gestrichen werden sollte oder die Löhne nicht pünktlich kamen. Aber sonst? Dabei gab es lohnende Themen: Sozialversicherung, Kinderkrippen. „Aber solange der Dollar rollt, ist für die meisten alles okay.“

Gabriela nimmt das den Leuten nicht übel. „Wer arbeitslos ist, will erstmal Arbeit“, sagt sie. Und arbeitslos sind in Costa Rica viele. „Die Gewerkschaften sind gefordert, den Leuten zu sagen, dass sie nicht nur das Recht auf einen Job haben, sondern auch auf gute Konditionen“. Aber sogar in den Maquilas – Produktionsstätten mit einem hohen Zaun drumherum, in denen internationale Firmen fertigen lassen, und wo Frauen manchmal 16 Stunden am Tag schuften – sind die Leute noch froh, dass sie überhaupt Arbeit haben. „Wir können ihnen keinen Vorwurf machen“, erklärt Gabriela, die heute für die Interamerikanische Regionale Arbeitsorganisation ORIT
in Mittelamerika arbeitet. „Wir müssen neue Wege suchen“.

Einer wäre vielleicht eine Form von globaler Sozialversicherung, die für alle gilt:
Für jene, die ins Ausland gehen ebenso wie für die, die bleiben. Wo es keine Schlupflöcher gibt. Und wo der einzelne weiß: „Du sollst geschützt sein, wo auch immer du bist“.

Cornelia Gerlach

nsn