Aus der Arbeitswelt: Erfolgreiche Standards
Aus Südafrika kommt das Vorbild für die Strategie, mit multinationalen Konzernen ‚Internationale Rahmenvereinbarungen‘ zur Anerkennung sozialer Standards zu erreichen. So könnte das Fazit einer Konferenz von 60 südafrikanischen und 20 deutschen Metallergewerkschaftern im Juni in Johannesburg lauten.
Diskutiert wurde über die Wirkung des Verhaltenskodex, den die südafrikanische NUMSA und die IG Metall vor 20 Jahren erarbeitet hatten. Die ‚14 Mindeststandards für Arbeitsbedingungen und Arbeitskonflikte in den südafrikanischen Tochterunternehmen deutscher Unternehmen‘ der IG Metall waren vom damaligen Vorsitzenden Franz Steinkühler initiiert. Unter dem Druck der internationalen Sanktionsdebatte gegen den Apartheidstaat wurden sie 1988 von führenden Unternehmen anerkannt. Im Kern ging es darum, dass Unternehmen bei Streiks der Polizei das Betreten ihres Geländes untersagen, Streikposten zulassen und Streikende nicht mehr feuern. Wichtig für die NUMSA war damals auch die formelle Anerkennung von Gewerkschaften. Brian Smith, Personalvorstand bei VW Südafrika, der 1988 an den Verhandlungen beteiligt war, erinnerte an den Erfolg: Die Mindeststandards hätten ein Klima des Vertrauens in den Betrieben geschaffen, wie man es sich vor 1988 nie hätte vorstellen können und führten zu höherer Produktivität und weniger Streiktagen. Nach 1994 sind diese Standards in die Staatsverfassung und die Arbeitsgesetze eingeflossen. Südafrika brauche jetzt weitere Anstrengungen zur Überwindung von Rassismus und Investitionen in Humanressourcen, sagte NUMSA-Generalsekretär Silumko Nondwangu. Nach Steinkühlers Auffassung waren die 14 Punkte „ein Mosaikstein, der einen Beitrag zur Überwindung der Apartheid geleistet hat“. Zum anderen aber sind sie, wie der IG Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hervorhob, als „Musterbeispiel an praktizierter Solidarität“ im Kampf für eine „Globalisierung mit menschlichem Antlitz“ von aktueller Bedeutung.
Peters beschrieb Solidarität als Zusammenspiel auf zwei Ebenen: „Das Fundament internationaler Zusammenarbeit ist die eigene gewerkschaftliche Stärke vor Ort“. Deshalb sei Unterstützung beim Aufbau von Gewerkschaften wichtig. Hinzu kommen müssten aber Netzwerke und Austausch auf Unternehmensebene. Mit Südafrika gebe es das seit vielen Jahren: „Dass Kollegen aus deutschen und südafrikanischen Betrieben gemeinsam über gewerkschaftliche Strategien diskutieren, kann nicht hoch genug geschätzt werden“. Dabei geht es auch um praktische Solidarität, z. B. Hilfe aus der deutschen „Zentrale“ bei solchen Kleinigkeiten wie Internetzugang oder Telefonanschlüsse für gewerkschaftliche Vertrauensleute in Südafrika.
Wolf Gunter Brügmann
IG Metall-Broschüre‚ Soziale Verantwortung konkret – Regeln für Multinationale Konzerne‘ von 2005: www.igmetall.de/themen/globalisierung/publikationen
