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Aus den Projekten: Betriebsräte finden Brasilianer vorbildlich
„Schon weil wir uns kümmern, fasst das Management Probleme anders an“: So beschreibt Hans Kirchgässner den Vorteil eines Unternehmensnetzwerks über die Kontinente für Arbeitnehmer. Der Betriebsratsvorsitzende des Konzerns ZF Friedrichshafen, einem Zulieferer in der Autoherstellung, hat jetzt direkte Kontakte nach Brasilien aufgenommen.
Im März besuchten zwölf Kollegen aus Friedrichshafen und vier anderen ZF-Werken mit Vertretern der IG Metall fünf Standorte des Konzerns in Brasilien; im Mai gab es bereits einen Gegenbesuch von acht Brasilianern in Deutschland. Zur Junisitzung konnte der Eurobetriebsrat schon zwei Gäste aus Brasilien begrüßen.
„Früher haben uns die Leute vom Brasilien-Arbeitskreis in Friedrichshafen über Arbeitskämpfe dort informiert“, erinnert sich Kirchgässner. Heute aber stellt die Entwicklung der Industrie ganz andere Gemeinsamkeiten her. Das entfacht neuen Druck für internationale Solidarität: Getriebe, die im Gewerbepark Sorocaba produziert werden, unterscheiden sich kaum mehr von denen aus Friedrichshafen, die Arbeitsabläufe werden ähnlicher, Anpassung an lokale Märkte findet immer weniger statt. Der weltweite Fertigungsverbund mit 55 000 Beschäftigten bezieht auch China, Russland oder Frankreich ein. Die Betriebsführung in Brasilien ist autoritärer, haben die Deutschen vor Ort gelernt, doch wenn es um Arbeitszeit geht, argumentiert sie genau wie zu Hause.
„Die Zulieferbetriebe in der Automobilindustrie werden zu Global Playern“, beschreibt Lothar Wentzel vom IG Metallvorstand in Frankfurt den Trend. Das stellt die Beschäftigten weltweit in unmittelbare Konkurrenz. Der Brasilienkenner hat auch schon in anderen Konzernen Unternehmensnetzwerke mit auf den Weg gebracht. Wentzel betont, wie wichtig das persönliche Kennenlernen für den Aufbau von Vertrauen ist. Er hat den ZF-Kollegen die betriebsbezogene Gewerkschaftsarbeit in Brasilien erläutert und sie zu Gesprächen mit Kollegen und Management an vier Standorten dort begleitet. Nächstes Ziel ist die Unterschrift unter ein Rahmenabkommen, das die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation anerkennt.
Bisher wurden Brasilienreise und Seminare von der Friedrich Ebert Stiftung und der Rosa Luxemburg Stiftung bezahlt. Die Kosten für die Gegenbesuche in Deutschland hat das DGB Bildungswerk übernommen. Auf Dauer aber soll der Konzern zahlen, findet Hans Kirchgässner. Er sitzt auch dem Eurobetriebsrat vor und sähe die Kollegen aus Brasilien dort gern bei jeder Sitzung. Zumal sie viel von Betriebsräten halten und selbst welche aufbauen wollen.
Sigrid Thomsen
Informationen zum Aufbau von Unternehmensnetzwerken:
www.nordsuednetz.de/fileadmin/redaktion-nord-sued-netz/pdf/
Globalisierung_sozialer_Verantwortung_CSR-IGBCE-2.pdf
