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Vorgestellt: Emelia Ghansah: „Die andere Seite der Welt gesehen“

In ihrem dunklen Anzug mit Nadelstreifen sieht sie nicht aus wie eine Gewerkschafterin, die mit der DGB-Jugend gerade zum G8-Alternativgipfel aufbrechen will. Tatsächlich gehörte Emelia Ghansah zum Management einer Bekleidungskette aus Südafrika, ehe sie sich der Gewerkschaftsbewegung in Ghana anschloss. „Ich habe dort selbst gekündigt“, sagt die 36jährige. „Es gefiel mir nicht, wie die Beschäftigten behandelt wurden. Für etwa 50 Euro im Monat standen sie zwölf Stunden täglich im Laden und hatten immer nur Arbeitsverträge für sechs Monate. Darüber habe ich mit meinem Vorgesetzten gestritten.“ In ihrem nächsten Job interviewte die gelernte Lehrerin Farmarbeiter.

Es ging um ein Forschungsprojekt über Lieferketten in der Palmölproduktion. Sie war oft wochenlang im Land unterwegs, als ihre Kinder noch klein waren. „Da habe ich die andere Seite der Welt gesehen“, bekennt Emelia Ghansa. „Arme Leute in Ghana habe ich vorher gar nicht gekannt. Hier habe ich verstanden, was die Gewerkschaften eigentlich tun.“

2003 trat Emelia der Landarbeitergewerkschaft GAWU bei und übernahm die Bildungsarbeit. Ihr erster Beruf hilft ihr, so schwierige Themen wie die ökonomischen Partnerschaftsabkommen der Europäischen Union mit afrikanischen Ländern anzupacken. „Wir müssen unserer Regierung klar sagen, was für Abkommen wir wollen“, findet Emelia, „schließlich wählen wir sie“. Für die Baumwollfarmer, die wegen der subventionierten Baumwolle aus den USA in Existenznot geraten sind, hat sie ein „Daumenkino“ über den internationalen Zusammenhang gemacht. 

Zurzeit lernt sie im Masterstudiengang der Global Labour University in Kassel und Berlin selbst etwas über Gewerkschaften und Globalisierung. Es macht ihr Spaß. Doch sie freut sich darauf, in ein paar Monaten wieder bei ihrenKindern zu sein. Und auf die kleinen Auseinandersetzungen mit ihrem Mann, der als Firmeningenieur auf der „einen“ Seite der Welt geblieben ist.

Sigrid Thomsen