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Kommentiert: Kleine Erfolge - Eine gewerkschaftliche Bilanz des G8-Gipfels

Die Fakten sind eindeutig. Sie belegen, dass trotz globalem Wachstum von Handel und Direktinvestitionen viele Arbeitnehmer und Bürger weit davon entfernt sind, von der Globalisierung zu profitieren. Ein Blick auf die Einkommensverteilung zeigt, dass der Anteil der Profite am Bruttoinlandsprodukt weltweit auf einen historischen Höchststand geklettert ist. Dessen Kehrseite sind stagnierende, immer öfter niedrigere Einkommen der Arbeitnehmer und der Verlust von Arbeitsplätzen.

Vor diesem Hintergrund darf es als kleiner Erfolg gelten, dass die Staats- und Regierungschefs der G8 erstmals die Notwendigkeit anerkennen, wirtschaftliche Globalisierung mit sozialem Fortschritt zu verknüpfen, und zwar auf der Grundlage von sozialen Mindeststandards. Sie erklären ausdrücklich ihre Unterstützung für die Verwirklichung des Konzeptes der menschenwürdigen Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO). Es ist nicht Altruismus, sondern die Sicherung der politischen Akzeptanz der Globalisierung, die sie dazu veranlasst hat. Doch die G8 will mit gutem Beispiel vorangehen: Sie will bilaterale Handelsabkommen und multilaterale Gremien nutzen, um menschenwürdige Arbeit und die Einhaltung grundlegender Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte zu fördern. Die Mitglieder der Welthandelsorganisation wie anderer internationaler Organisationen forderte sie auf, „in enger Zusammenarbeit mit der IAO“ die Einhaltung von Kernarbeitsnormen zu fördern.

Zum Missfallen mancher Investoren und Unternehmen verpflichtet sich die G8, auch „international vereinbarte Standards im Bereich der sozialen Verantwortung von Unternehmen … aktiv zu fördern“. Private Unternehmen und Wirtschaftsverbände rufen sie auf, die Prinzipien der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen zu beachten. Schwellen- und die Entwicklungsländer werden darin bestärkt, sich die darin enthaltenen Werte und Standards zu Eigen zu machen. Damit haben die Staats- und Regierungschefs wichtigen gewerkschaftlichen Forderungen Rechnung getragen. Jetzt ist der Ball im Feld der Gewerkschaften.

John Evans;
Übersetzung: Roland Schneider

Der Autor ist Generalsekretär von TUAC, dem     Beratenden Gewerkschaftsausschuss bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris

Link zur Evaluierung des G8-Gipfels durch TUAC:
www.tuac.org/statemen/communiq/communiq/HeiligendammG8_2007E.pdf