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Gewerkschaftsaktionen beim alternativen G8-Gipfel - Gerechtigkeit war in Rostock ein Puppenspiel
„Ein anständiger Job ist unbefristet, entspricht vernünftigen Sicherheitsstandards und bringt einen Lohn ein, von dem man leben kann“, erklärte Dale Forbes dem Publikum der DGB-Jugend in Rostock. Der südafrikanische Gewerkschafter trat beim G8-Alternativgipfel in einer Arbeitsgruppe zur Kampagne „Decent work for a decent life“ auf. Mit ihr hat sich die Jugend einer internationalen Gewerkschaftskampagne für menschenwürdige Arbeit angeschlossen.
Forbes kämpft in seiner Heimat für gute Jobs im öffentlichen Dienst: „Für Kolleginnen, die in Johannesburg die Straßen fegen, bedeutet das zum Beispiel, dass Sicherheitsleute mitgehen müssen, sonst ist es zu gefährlich für sie.“
Emelia Ghansah von der Landarbeitergewerkschaft in Ghana kümmert sich längst nicht mehr nur um Lohnarbeiter. Wo Menschen in Massen aus Markt und Beschäftigung gedrängt werden, geht es um die Förderung selbständiger Existenzen. Ein Stand auf einem überdachten Marktplatz kann so ein Schritt zum besseren Leben sein für jemanden, der vorher einfach auf der Straße verkauft hat. In Ghana, erläuterte sie, bedeute die Kampagne für „decent work“ Armutsbekämpfung.
Das Anliegen, faire Arbeitsbedingungen global durchzusetzen, teilten die Gewerkschaften mit vielen anderen Organisationen beim Gegengipfel der Alternativen. Die Kampagne „Gerechtigkeit jetzt!“ ließ dafür ihre Großpuppen tanzen: Neben einem leicht lädierten Riesenhuhn, das gegen das Dumping von Geflügel auf Afrikas Märkten protestierte, klagte eine überlebensgroße Plantagenarbeiterin aus Tansania mit Blumenstrauß über unmenschliche Arbeitsbedingungen in der Blumenproduktion für den europäischen Markt.
In der Puppeninszenierung haben die Entrechteten gesiegt, dank dem Engagement der Zivilgesellschaft weltweit. In der Wirklichkeit hat letztere in Rostock hart um Strategien gerungen. Wie man Kampagnen gegen multinationale Konzerne führt, mit Standortkonkurrenz umgeht und Informationen sinnvoll teilt, diskutierten allein 50 internationale Gewerkschafter einen ganzen Nachmittag lang. Durchaus kontrovers – zum Beispiel über die Konzentration mancher Branchen auf Betriebsratsarbeit. Fazit eines Kollegen aus Kolumbien: Gewerkschaftspolitik muss über den Tellerrand der Fabriken hinausreichen.
Im informellen Sektor zu organisieren aber ist schwer – das hatte Anneliese Buntenbach schon zum Auftakt des Gegengipfels festgestellt. Die Vertreterin des DGB-Bundesvorstands steckte auf dem Podium die Gewerkschaftskritik der G8-Gegner ein. „Interessenunterschiede dürfen wir nicht unter den Teppich kehren“, gab sie zu. Doch was zählt, sind gemeinsame Ziele: „Die Kampagne für menschenwürdige Arbeit können wir zusammen organisieren“, rief sie den etwa 2000 versammelten Kongressteilnehmern in Rostock zu.
Sigrid Thomsen
Link zum internationalen Gewerkschafteraufruf: www.g8-gewerkschafteraufruf.de
