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Aus der Arbeitswelt: Unternehmer zur Verantwortung ziehen

Dass Arbeitgeber und Gewerkschaften miteinander reden, gehört zum europäischen Sozialmodell, findet der Europäische Metallarbeiterbund (EMB). Die Stärkung des sozialen Dialogs in Südosteuropa ist Ziel eines gemeinsamen Projektes mit dem DGB Bildungswerk. 

Im Rahmen des zunächst einjährigen Projekts wurden zwei Studien erstellt und Seminare in fünf beteiligten Ländern organisiert. Die Ergebnisse wurden in Istanbul im April bei einer gemeinsamen Abschlusskonferenz des Projekts unter dem Titel „Stärkung des sozialen Dialogs in der Region Südosteuropa durch die Anwendung von [CSR]-Instrumenten“ vorgestellt; CSR ist die englische Abkürzung für sozialverantwortliche Unternehmensführung. Die Teilnehmenden kamen aus Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien und der Türkei.

Dass es in den südosteuropäischen Ländern um den sozialen Dialog noch schlecht bestellt ist, liegt nach Meinung von EMB-Generalsekretär Peter Scherrer vor allem an den Arbeitgebern: ihnen fehlten die nötigen organisatorischen Strukturen. Auch Gewerkschaften seien allerdings oft nicht durchsetzungsfähig, weil der Organisationsgrad zu gering sei. Außerdem müssten überall die gesetzlichen Grundlagen überarbeitet werden, sagte er bei einer Podiumsdiskussion in Istanbul.

Gewerkschaftsfreiheit und Arbeitnehmerbeteiligung auf betrieblicher Ebene seien entscheidende Voraussetzungen für den sozialen Dialog. Bei der Gestaltung könne die Umsetzung der EU-Richtlinie über Konsultations- und Informationsrechte der Arbeitnehmer von 2002 eine entscheidende Rolle spielen: Diese Schlussfolgerungen zog Manfred Wannöffel von der gemeinsamen Arbeitsstelle der Ruhruniversität Bochum und der IG Metall, die im Rahmen des Projekts die industriellen Beziehungen in den beteiligten Ländern sowie die Entwicklung der Metallindustrie untersucht hat. Die entsprechenden Studien waren zu dem Ergebnis gekommen, dass es überall eine rechtliche Grundlage für den Sozialen Dialog gebe und dass die dominante Ebene für Tarifverhandlungen in dieser Region die betriebliche Ebene sei.

Insgesamt liegen Wirtschaftskraft und Erwerbsquote weit unter dem Durchschnitt der EU, sagte Wannöffel. Während Kroatien das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf aufweise, habe Rumänien den vergleichsweise höchsten industriellen Anteil innerhalb der Ländergruppe. Die Türkei und Rumänien verzeichneten in absoluten Zahlen die höchsten Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen; in Rumänien vor allem in der Metallindustrie.

Mit der Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen in Südosteuropa könne auch die Rolle der Arbeitnehmervertreter bei der Kontrolle über die Einhaltung von [Kernarbeitsnormen] gestärkt werden, schloss Manfred Wannöffel.  Auch Peter Scherrer setzt seine Hoffnung auf die gewerkschaftliche Zusammenarbeit in multinationalen Unternehmen. „Die Gewerkschaften sind zum gemeinsamen Handeln bereit“, heißt es in seinem Vorwort zum Bericht über die Abschlusskonferenz in Istanbul. „Es ist an den Unternehmen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zur Schaffung von menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen gerecht zu werden.“  Nach: Bericht über die Abschlusskonferenz des EMB-DGB Bildungswerk Gemeinschaftsprojektes „Stärkung des sozialen Dialogs in der Region Südosteuropa durch Anwendung von CSR-Instrumenten“, Istanbul 23.–25. April 2007